
Pantonale Schwerhörigkeit: Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten
Das Wichtigste in Kürze
- Eine pantonale Schwerhörigkeit betrifft einen großen Teil beziehungsweise nahezu alle untersuchten Frequenzbereiche und kann sich im Audiogramm durch eine relativ flache Hörverlustkurve zeigen.
- Sie ist keine eigenständige Erkrankung, sondern kann unterschiedliche Ursachen haben, beispielsweise Veränderungen im Innenohr, altersbedingte Entwicklungen, langjährige Lärmbelastung oder Erkrankungen des Hörsystems.
- Die Behandlung richtet sich nach der jeweiligen Ursache, bei dauerhaften Hörverlusten können individuell angepasste Hörgeräte die Hörsituation und das Sprachverstehen unterstützen.
- Welche Hörgerätebauform geeignet ist, hängt nicht allein vom pantonalen Hörverlust ab, sondern unter anderem von dessen Stärke, dem Sprachverstehen, der erforderlichen Verstärkung und den persönlichen Anforderungen.
Was bedeutet pantonale Schwerhörigkeit?
Der Begriff „pantonal“ bedeutet vereinfacht, dass alle Tonbereiche betroffen sind. Eine pantonale Schwerhörigkeit beschränkt sich also nicht auf einen einzelnen, eng begrenzten Frequenzbereich. Stattdessen zeigt sich die Hörminderung über einen großen Teil des geprüften Frequenzspektrums.
Unser Gehör verarbeitet tiefe, mittlere und hohe Frequenzen. Tiefe Frequenzen nehmen wir eher als dunkle und kräftige Töne wahr, hohe Frequenzen klingen dagegen heller und feiner. Für das Sprachverstehen ist das Zusammenspiel verschiedener Frequenzbereiche besonders wichtig, da Sprache aus vielen unterschiedlichen Frequenzanteilen besteht.
Bei einer pantonalen Hörminderung sind im Tonaudiogramm, also bei der Messung der Hörschwelle für unterschiedliche Tonhöhen, Hörverluste über einen breiten Frequenzbereich erkennbar. Bei stärker ausgeprägten Formen kann die Hörschwelle vergleichsweise flach beziehungsweise horizontal verlaufen. In der audiologischen Fachliteratur wird für entsprechende Formen teilweise auch der Begriff „pancochleär“ verwendet.
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Verlauf und Ursache. Die Bezeichnung „pantonal“ beschreibt zunächst, über welche Frequenzbereiche sich die Hörminderung erstreckt. Sie sagt jedoch nicht automatisch aus, wodurch die Schwerhörigkeit verursacht wird.
Wie sieht eine pantonale Schwerhörigkeit im Audiogramm aus?
Eine wichtige Untersuchung des Hörvermögens ist die Tonaudiometrie. Dabei werden Ihnen Töne mit unterschiedlichen Frequenzen vorgespielt. Für jede geprüfte Frequenz wird ermittelt, ab welcher Lautstärke Sie den jeweiligen Ton gerade wahrnehmen können. Die Ergebnisse werden anschließend in einem sogenannten Tonaudiogramm dargestellt.
Auf der horizontalen Achse des Audiogramms sind die verschiedenen Frequenzen abgebildet. Die vertikale Achse zeigt den Hörschwellenpegel in Dezibel Hearing Level, kurz dB HL. Bei normalem oder annähernd normalem Hörvermögen liegen die Messpunkte vergleichsweise weit oben. Muss ein Ton stärker angehoben werden, damit Sie ihn wahrnehmen, wird der entsprechende Messpunkt weiter unten eingetragen.
Auch die Form der Hörkurve liefert wichtige Informationen. Bei einer Hochtonschwerhörigkeit fällt die Kurve beispielsweise in Richtung der höheren Frequenzen ab. Bei einer pantonalen Schwerhörigkeit sind dagegen mehrere beziehungsweise nahezu alle untersuchten Frequenzbereiche von der Hörminderung betroffen. Bei ausgeprägten Formen kann sich deshalb eine relativ flache Hörverlustkurve zeigen.
Wie groß der Hörverlust ist, lässt sich aus der Bezeichnung „pantonal“ allein jedoch nicht ableiten. Die Hörminderung kann leicht, mittelgradig, hochgradig oder in einzelnen Fällen noch stärker ausgeprägt sein. Die Form der Kurve ist deshalb immer nur ein Teil der audiologischen Beurteilung.
Welche Ursachen kann eine pantonale Schwerhörigkeit haben?

Eine pantonale Schwerhörigkeit ist keine eigenständige Erkrankung mit einer bestimmten Ursache. Vielmehr können unterschiedliche Veränderungen des Hörsystems dazu führen, dass der Hörverlust über einen breiten Frequenzbereich verteilt ist.
Eine mögliche Ursache sind Veränderungen im Innenohr, beispielsweise an den dort befindlichen Sinneszellen oder an nachgeschalteten Strukturen des Hörsystems. Auch das Lebensalter kann eine Rolle spielen. Eine altersbedingte Schwerhörigkeit beginnt häufig verstärkt im Hochtonbereich. Im weiteren Verlauf können jedoch zunehmend andere Frequenzbereiche betroffen sein.
Auch eine langjährige Lärmbelastung kann das Innenohr schädigen. Typische lärmbedingte Hörverluste zeigen sich zunächst häufig im höheren Frequenzbereich. Bei fortschreitender Schädigung können sich die Auswirkungen auf benachbarte und weitere Frequenzbereiche ausdehnen.
Darüber hinaus kommen Erkrankungen des Innenohrs, bestimmte Medikamente mit möglicher ototoxischer, also das Innenohr schädigender Wirkung, genetische Faktoren, Entzündungen und weitere Erkrankungen des Hörsystems als mögliche Ursachen infrage. Auch im Zusammenhang mit einem Hörsturz oder Morbus Menière können tieffrequente beziehungsweise pantonale Hörverluste auftreten.
Wie wird eine pantonale Schwerhörigkeit behandelt?
Die Behandlung einer pantonalen Schwerhörigkeit richtet sich zunächst nach ihrer Ursache. Liegt eine medizinisch behandelbare Erkrankung vor, steht die entsprechende ärztliche Therapie im Vordergrund. Hörgeräte können eine zugrunde liegende Erkrankung des Ohres nicht beseitigen.
Bei einem dauerhaften Hörverlust, der sich medizinisch nicht ausreichend beheben lässt, können Hörgeräte die Hörsituation deutlich verbessern. Moderne Hörsysteme nehmen den Schall über Mikrofone auf, analysieren die akustische Umgebung und verarbeiten die aufgenommenen Signale digital.
Dabei werden nicht einfach alle Frequenzen gleich stark verstärkt. Stattdessen kann die Verstärkung für verschiedene Frequenzbereiche individuell eingestellt werden. Das ist besonders wichtig, weil sich der Hörverlust je nach Frequenz unterschiedlich ausprägen kann.
Auch die Lautstärke der eingehenden Signale wird bei der Anpassung berücksichtigt. Leise Signale können stärker angehoben werden, während mittelstarke und laute Signale anders verarbeitet werden. Ziel ist es, beispielsweise leise Sprache wieder besser hörbar zu machen und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass lautere Geräusche nicht unangenehm werden.
Gerade bei einer pantonalen Hörminderung, die einen großen Teil des Frequenzspektrums betrifft, kommt es deshalb auf eine sorgfältige und individuelle Abstimmung des Hörsystems an. Bei lauter Hörgeräte berücksichtigen wir die persönliche Hörsituation und passen die Hörsysteme entsprechend an.
Welches Hörgerät eignet sich bei pantonaler Schwerhörigkeit?

Welches Hörgerät bei einer pantonalen Schwerhörigkeit geeignet ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. Die Annahme, dass grundsätzlich eine bestimmte Hörgerätebauform die beste Wahl ist, greift zu kurz. Entscheidend ist vielmehr, dass das Hörsystem zum individuellen Hörverlust und zu Ihren persönlichen Anforderungen passt.
Bei der Auswahl spielen zahlreiche Faktoren eine Rolle. Dazu gehören Stärke und Verlauf des Hörverlusts, das Sprachverstehen und die erforderliche Verstärkungsreserve. Ebenso wichtig sind die Größe und Anatomie des Gehörgangs sowie die notwendige akustische Ankopplung und Belüftung des Ohres.
Auch Ihre persönlichen Anforderungen sollten berücksichtigt werden. Dazu zählen beispielsweise Fingerfertigkeit und Sehvermögen, eine möglichst einfache Bedienung, die gewünschte Akku- oder Batterielösung sowie die Nutzung von Telefon und Streaming. Berufliche Anforderungen, Freizeitaktivitäten, kosmetische Wünsche und persönliche Klangpräferenzen können die Entscheidung ebenfalls beeinflussen. Darüber hinaus muss unter anderem eine mögliche Rückkopplungsneigung berücksichtigt werden.
Besonders bei stärkeren Hörverlusten ist darauf zu achten, dass das Hörsystem ausreichende Leistungsreserven bietet und der Schall passend an das Ohr übertragen wird. Welche Kombination aus Technik, Bauform und Ankopplung für Sie akustisch und praktisch geeignet ist, lässt sich daher erst nach einer individuellen Untersuchung beurteilen.
Die Bauform allein entscheidet somit nicht über die Qualität der Versorgung. Bei lauter Hörgeräte betrachten wir Ihre Hörsituation und Ihre persönlichen Anforderungen gemeinsam, um ein Hörsystem auszuwählen, das zu Ihrem individuellen Bedarf passt.





