Das Wichtigste in Kürze
- Ohrenschmalz, auch Cerumen genannt, ist eine natürliche Schutzsubstanz, die den Gehörgang pflegt, Fremdpartikel bindet und die körpereigene Keimabwehr unterstützt.
- Das Ohr verfügt über einen natürlichen Selbstreinigungsmechanismus, sodass Ohrenschmalz in den meisten Fällen von selbst nach außen transportiert wird.
- Eine übermäßige oder unsachgemäße Reinigung kann diesen Prozess stören und Ohrenschmalz tiefer in den Gehörgang schieben.
- Für Hörgeräteträger sind regelmäßige Kontrollen besonders wichtig, da Cerumen sowohl das Hören als auch die Funktion des Hörsystems beeinträchtigen kann.
Was ist Ohrenschmalz überhaupt?
Ohrenschmalz, in der Fachsprache Cerumen genannt, ist eine natürliche Substanz des Körpers und wird im äußeren Gehörgang gebildet. Entgegen der weit verbreiteten Annahme handelt es sich dabei nicht einfach um Schmutz. Ohrenschmalz besteht aus einer Mischung aus Drüsensekreten, Fetten, abgestorbenen Hautzellen und kleinen Partikeln aus der Umgebung.
Gebildet wird Cerumen im äußeren, knorpeligen Abschnitt des Gehörgangs. In diesem Bereich befinden sich Haarfollikel, Talgdrüsen sowie spezielle Ohrenschmalzdrüsen, die als Glandulae ceruminosae bezeichnet werden. Dabei handelt es sich um umgebildete apokrine Drüsen, die für die Produktion des Ohrenschmalzes verantwortlich sind.
Der äußere Gehörgang verbindet die Ohrmuschel mit dem Trommelfell. Sein äußerer Bereich ist knorpelig und mit einer etwas dickeren Haut, Haaren und Drüsen ausgestattet. Im inneren Abschnitt geht der Gehörgang in einen knöchernen Bereich über. Dort ist die Haut deutlich dünner und liegt direkt auf dem Knochen, wodurch sie besonders empfindlich ist.
Da sich die cerumenbildenden Drüsen ausschließlich im äußeren Bereich des Gehörgangs befinden, entsteht Ohrenschmalz nicht in der Nähe des Trommelfells. Befindet sich Cerumen weiter innen, ist es im Rahmen des natürlichen Reinigungsprozesses dorthin gelangt, hat sich durch einen gestörten Abtransport angesammelt oder wurde durch Reinigungsversuche in den Gehörgang hineingeschoben.
Wie entsteht Ohrenschmalz?
Die Bildung von Ohrenschmalz ist ein natürlicher Prozess, bei dem verschiedene Bestandteile im äußeren Gehörgang zusammenwirken. Erst das Zusammenspiel aus Drüsensekreten, Hautzellen und kleinen Fremdpartikeln ergibt das Cerumen, das den Gehörgang schützt und sauber hält.
1. Die Ohrenschmalzdrüsen bilden ein Sekret
Im äußeren Gehörgang befinden sich spezielle Ohrenschmalzdrüsen, die sogenannten Ceruminaldrüsen. Sie produzieren ein Sekret, das unter anderem fettige und eiweißhaltige Bestandteile enthält. Die genaue Zusammensetzung kann von Mensch zu Mensch unterschiedlich sein.
2. Talgdrüsen ergänzen die Fettbestandteile
Zusätzlich geben die Talgdrüsen ihr fettreiches Sekret ab. Es vermischt sich mit dem Sekret der Ceruminaldrüsen und sorgt für die typische wachsartige Konsistenz des Ohrenschmalzes.
Die enthaltenen Fette besitzen wasserabweisende Eigenschaften und helfen dabei, die empfindliche Haut des Gehörgangs vor Austrocknung und zu viel Feuchtigkeit zu schützen.
3. Hautzellen und kleine Partikel werden aufgenommen
Die Haut im Gehörgang erneuert sich kontinuierlich. Abgestorbene Hautzellen lösen sich von der Oberfläche und vermischen sich mit den Drüsensekreten. Ein großer Teil des Ohrenschmalzes besteht deshalb aus Keratin und abgeschilferten Hautzellen.
Zusätzlich bindet das Cerumen kleine Fremdpartikel wie Staub, Pollen oder feine Textilfasern. Dadurch wirkt es wie eine natürliche Schutzschicht, die unerwünschte Partikel festhält und mit ihnen zusammen aus dem Gehörgang transportiert wird.
4. Das Ohrenschmalz verändert sich während des Transports
Frisch gebildetes Ohrenschmalz ist meist weich und eher hell. Auf dem Weg nach außen verliert es nach und nach Feuchtigkeit, wird fester und kann sich in seiner Farbe verändern.
Gelbes, honigfarbenes, hellbraunes oder dunkelbraunes Ohrenschmalz kann völlig normal sein. Auch die Konsistenz unterscheidet sich von Person zu Person und kann trocken und flockig oder eher feucht und klebrig sein.
5. Der Gehörgang reinigt sich selbst
Das Ohr verfügt über einen natürlichen Selbstreinigungsmechanismus. Die oberste Hautschicht des Trommelfells und des Gehörgangs wandert langsam nach außen. Dieser Vorgang wird als epitheliale Migration bezeichnet und transportiert Hautschüppchen sowie Ohrenschmalz in Richtung Gehörgangseingang.
Warum produziert der Körper Ohrenschmalz?
Ohrenschmalz erfüllt mehrere wichtige Aufgaben und ist ein natürlicher Bestandteil des Schutzsystems des Ohres. Das sogenannte Cerumen schützt die empfindliche Haut des Gehörgangs, unterstützt die Selbstreinigung und trägt dazu bei, äußere Einflüsse abzuwehren.
Ohrenschmalz hält die Haut geschmeidig
Die Haut im Gehörgang ist besonders dünn und empfindlich. Sie wird täglich durch Bewegungen beim Kauen und Sprechen sowie durch das Tragen von Ohrpassstücken oder In Ear Geräten beansprucht. Auch Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen wirken auf die Haut ein.
Die fettigen Bestandteile des Ohrenschmalzes helfen dabei, die Haut vor dem Austrocknen zu schützen. So bleibt sie geschmeidig und widerstandsfähig. Ohne diese natürliche Schutzschicht könnte die Haut leichter austrocknen, einreißen und anfälliger für Reizungen oder Entzündungen werden.
Ohrenschmalz bindet Staub und Fremdpartikel
Durch seine leicht klebrige Konsistenz kann Cerumen kleine Fremdpartikel aufnehmen, bevor sie tiefer in den Gehörgang gelangen. Dazu gehören unter anderem Staub, Sand, Hautschuppen oder feine Textilfasern.
Ohrenschmalz unterstützt die natürliche Keimabwehr
Cerumen trägt dazu bei, im äußeren Gehörgang ein leicht saures Milieu aufrechtzuerhalten. Gemeinsam mit den enthaltenen Bestandteilen kann dieses Umfeld das Wachstum bestimmter Bakterien und Pilze erschweren.
Wird die natürliche Schutzschicht jedoch häufig entfernt, die Haut verletzt oder durch anhaltende Feuchtigkeit aufgeweicht, kann diese Barriere geschwächt werden. Ohrenschmalz kann Infektionen zwar nicht vollständig verhindern, es ist jedoch ein wichtiger Bestandteil der natürlichen Abwehr des Ohres.
Ohrenschmalz schützt vor Feuchtigkeit
Die fettreichen Bestandteile des Cerumens wirken bis zu einem gewissen Grad wasserabweisend. Dadurch bleibt Feuchtigkeit nicht so leicht dauerhaft auf der empfindlichen Haut des Gehörgangs haften.
Nach dem Schwimmen, Duschen oder längeren Kontakt mit Wasser kann diese Schutzwirkung jedoch nachlassen. Gleichzeitig kann vorhandenes Ohrenschmalz aufquellen. Dadurch entsteht bei manchen Menschen plötzlich ein dumpfes Gefühl oder der Eindruck, schlechter zu hören, obwohl zuvor keine Beschwerden bestanden.
Ohrenschmalz und Hörgeräte: Warum regelmäßige Kontrolle wichtig ist

Für Menschen mit Hörgeräten spielt Ohrenschmalz eine besondere Rolle. Einerseits kann eine größere Cerumenansammlung den Schall im Gehörgang dämpfen. Andererseits kann Ohrenschmalz auch die Funktion des Hörsystems beeinträchtigen.
Ein Hörgerät wird auf Ihr individuelles Hörvermögen und einen möglichst freien Schallweg angepasst. Verändert sich dieser Schallweg durch eine zunehmende Cerumenansammlung, kann das Hören plötzlich dumpfer, leiser oder unausgewogen wirken. Häufig wird dann zunächst die Lautstärke erhöht, obwohl weder das Hörgerät noch das Hörvermögen die eigentliche Ursache sind.
Cerumen kann Hörsysteme beeinträchtigen
Ohrenschmalz kann in verschiedene Bestandteile eines Hörgeräts gelangen und deren Funktion einschränken. Besonders betroffen sind Schallaustrittsöffnungen, Hörer, Belüftungsbohrungen, Cerumenschutzfilter, Ohrpassstücke und Schallschläuche.
Bereits ein zugesetzter Cerumenschutzfilter kann die Verstärkung deutlich verringern oder den Eindruck erwecken, das Hörgerät funktioniere nicht mehr.
Bei Im Ohr Hörgeräten befindet sich die Technik direkt im Gehörgang und kommt dadurch besonders häufig mit Cerumen sowie Wärme und Feuchtigkeit in Kontakt. Hinter dem Ohr Hörgeräte sitzen zwar außerhalb des Gehörgangs, dennoch können auch hier Ohrpassstücke, Schallschläuche oder externe Hörer durch Ohrenschmalz beeinträchtigt werden.
Hörgerät und Gehörgang getrennt pflegen
Für eine zuverlässige Funktion des Hörsystems sollten Hörgerät und Gehörgang getrennt gepflegt werden. Das Hörgerät wird nach den Empfehlungen des Herstellers oder nach der Anleitung Ihres Hörakustikers gereinigt. Der Gehörgang selbst sollte dagegen nicht mit Wattestäbchen oder anderen Gegenständen gereinigt werden.
Bei lauter Hörgeräte überprüfen wir im Rahmen regelmäßiger Servicetermine, ob Cerumenschutzfilter, Hörer, Schallschlauch oder Ohrpassstück gereinigt oder ausgetauscht werden müssen. So lässt sich häufig schnell feststellen, ob eine technische Ursache für eine veränderte Hörleistung vorliegt.
Regelmäßige Kontrollen bieten einen weiteren Vorteil. Wenn Cerumenschutzfilter immer wieder schnell verstopfen, können die Pflegeintervalle, die Passform des Hörgeräts oder die verwendeten Filter angepasst werden. Ziel ist es, ein gutes Gleichgewicht zwischen einer gesunden Ohrumgebung, einer zuverlässigen Funktion des Hörsystems und einer möglichst schonenden Pflege des Gehörgangs zu erreichen.






